Verlorene Bräuche in Seiburg

Maibäume-Aufstellen

Hier eine kurze Beschreibung, was zu Pfingsten bis zur Auswanderung in Seiburg Brauch war, entnommen dem Heimatbuch "Seiburg in Siebenbürgen" (Hrsg. Martin Guist, Bad Soden 1991).

"Schon zwei Wochen vor dem Fest begannen die Vorbereitungen. Die Burschen gingen in den Wald und sammelten Immergrün. Ein oder zwei Tage vor Pfingsten wurden die Immergrünkränze gebunden und am Pfingstsamstag am späten Abend oder in der Nacht von den Burschen ausgetragen, d.h. sie warfen sie auf die Fensterbretter, aufs Dach oder nur übers Tor der Häuser, in denen Mädchen wohnten.

In der Früh sammelte man die Kränze in den Häusern und hängte sie in die straßenseitigen Fenster - denn schlielich konnte man daran ja die Beliebtheit der Haustöchter ablesen -, wo sie bis nach den Feiertagen blieben.

Heiratsfähige Burschen pflegten aber einen ganz besonders gefährlichen Brauch, der daher bei den Mädchen begehrt war: das Maienaufschlagen. Am Seiburger Hattert gab es nur sehr wenige Birken, die besonders behütet wurden. Die Burschen begaben sich daher im Schutz der dunklen Nacht in ein Nachbardorf und schnitten dort unter großer Gefahr Birken um, die dann heimlich und ohne Aufsehens mit einem Pferdegespann nach Hause befördert wurden. Die Birken, die bis zu 10 m hoch waren, wurden vor das Haus der jeweiligen Angebeteten gestellt. War ein Bursch verlobt, stellte er die schönste Birke vor das Haus seiner Braut, geschmückt mit einem Kranz Immergrün und einer Pfingstrose.

Am Pfingstsonntag bewunderte dann das ganze Dorf die Kränze und Birken, die auch manchmal Anlaß zum Tuscheln und Rätselraten gaben. Wie freuten sich die Mädchen, die viele Kränze an ihrem Vaterhaus fanden und wie viele Tärnen mögen da wohl geflossen sein, bei jenen, die leer ausgegangen waren."